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auszüge aus der Chronik der Liedertafel Holzkirchen

zusammengestellt von Max Artmaier


1844: Nach Akten der "Kgl. Regierung von Oberbayern" beim Bayerischen Staatsarchiv

(unter Nr. RA 21233 dokumentiert ), bestanden bereits im Jahre 1844 Liedertafeln in den Gemeinden Holzkirchen, Miesbach, Tegernsee und Tölz. Diese waren jedoch noch bei keiner Behörde registriert.


1845: Erstmals hören wir nachweislich von der Liedertafel Holzkirchen. Aus einem noch

vorhandenem Programmheftchen geht hervor, dass gemeinschaftlich mit den Liedertafeln Miesbach, Tegernsee und Tölz am " 20.Mai 1845 in Tölz " ein Gesangfest abgehalten wurde.


Programmheftchen 


Dieses Gesangfest muss wohl der Auslöser zu einer Versammlung in Holzkirchen am 20.Juni

1845 gewesen sein, bei der unter Vorsitz des Schullehrers Stettmayer aus Holzkirchen, ein Zusammenschluss der vier Liedertafeln zu einem Gesangverein beschlossen wurde. Dieser Gesangverein hatte damals die gleiche Bedeutung wie heute der Sängerkreis Oberland.


Bereits am 27.Juli 1845 wurde dann auf ein Gesuch hin die Genehmigung zur Gründung

eines Vereins von der "Kgl. Regierung von Oberbayern" mit Auflagen erteilt. Darin wird der Lehrer Stettmayer aus Holzkirchen als Dirigent des „Sängervereins zum bayerischen

Oberlande“ bestätigt.




Im Namen
Seiner Majestät des Königs
von Bayern


Auf den Bericht vom 21.dieses Monats und rubrigierten Betreffe wird andurch die Genehmigung zur
Konstituierung eines aus den Liedertafeln von Holzkirchen, Miesbach, Tegernsee und Tölz
bestehenden Sängervereins zum bayerischen Oberlande nach den vorgelegten Statuten unter nachstehenden Bedingungen erteilt:
1. Jede Erläuterung, Ergänzung oder Abänderung der Satzungen ist zur nachträglichen Genehmigung
vorzulegen.
2. Das Verzeichnis der Gesellschaftsmitglieder ist jährlich unter Benennung der Dirigenten der Ortsobrigkeit
zur Anzeige zu bringen.
3. Bezüglich des § 6 der Statuten ist dem o.g. Sängerverein nur mit solchen in- und ausländischen
Gesangvereinen in Korrespondenz und Verbindung zu treten gestattet, welche auf gleichen Grundsätzen
beruhen, worüber sich jederzeit vorerst durch Vorlage der Satzungen des betreffenden Vereines unter Angabe der diesem zu machenden Zugeständnisse auszuweisen ist.
Das kgl Landgericht Miesbach wird angewiesen, den Schullehrer Stettmayer zu Holzkirchen als den
zeitlichen Dirigenten des „oberbayerischen Sängervereins“ von gegenwärtiger Entschließung zur Kenntnis
zu setzen.
München den 27. July 1845
Königliche Regierung von Oberbayern
in Abwesenheit des kgl Präsidenten


Dieses Dokument ist ein amtlicher Nachweis dafür, dass unsere Liedertafel bereits zu diesem

Zeitpunkt bestand und mit den Liedertafeln Miesbach, Tegernsee und Tölz im „Sängerkreis

Oberland“ integriert war. Nach der Gründung des Vereins setzte ein eifriger Sängerwettstreit unter den vier Liedertafeln ein. Neben Tölz wurde auch in Holzkirchen das " Zweite Gesang Fest der Saenger vom bayr. Oberlande" am 9. September 1845 abgehalten.


Auch in Miesbach und in Tegernsee sollen seinerseits solche Gesangfeste abgehalten worden

sein. Nachweise hierzu fehlen uns jedoch.


Programmheftchen


Dann hörte man lange Zeit nichts mehr von der Holzkirchner Liedertafel. Möglicherweise

dämpften politische Gründe um 1848 die Freude am Vereinsleben und am Gesang. Damals

mussten Vereinsgründungen von Amts wegen genehmigt werden. Sogar Mitgliederlisten mit

Angaben über die politische Gesinnung der Sänger wurden seinerzeit verlangt und mussten

bei Veränderungen der Ortsobrigkeit mitgeteilt werden. Dies ist möglicherweise auch der

Grund dafür, dass in den folgenden Jahren keine Aufzeichnungen geführt wurden. Erst 29

Jahre später hören wir wieder von der Liedertafel!


1875: ergreift der Wachszieher und Lebzelter Max Gleißner erstmalig wieder die

Initiative zu einer Wiedergründung der Liedertafel. Hierzu erließ er mit sieben weiteren

Bürgern einen Aufruf:


„.... zwecks Ausbildung des mehrstimmigen Männergesangs und durch Lieder ernsten und heiteren Inhalts
zur Wiedererwachung des früheren so gemütlichen Gesellschaftslebens das Ihre beizutragen.“


Aufruf



Diesen Aufruf unterzeichneten:


Fromberger Jakob, Chorregent
Kapfer Anton, Buchbinder
Kagerbauer Max, Verwalter
Böcker Adam, Wirt
Wiesbeck Ludwig, Cafetier
Seidl Hugo, Kaufmannssohn
Dr. Hiller, prakt. Arzt
Gleißner Max, Wachszieher


Diese Versammlung, die am 6. Dezember 1874 im Hauslbräu abgehalten wurde - Standort

der heutigen Raiffeisenbank - führte jedoch noch nicht zur Wiedergründung; es dauerte noch

gut 3 Jahre bis


1878: am 2.April eine offizielle Vorstandschaft gewählt wurde. Zum Vorstand wurde der

Lehrer Johann Nepomuk Steindl gewählt. Die Vereinschronik, die ab diesem Zeitpunkt in

gestochener Schrift über alle besonderen Ereignisse berichtet, spricht hier von 21 Mitgliedern,

die im Gasthof Oberbräu, die Gesangproben aufnahmen.


Die 21 Gründungsmitglieder der Liedertafel von 1878 waren:

Baumgaertner Josef, Kand. d. Med.
Dolch Anton, Lehrer
Frei Josef, Lehrer
Gleißner Mathias, Schneider
Gleißner Max, Wachszieher
Gleißner Theodor, Konditor
Hiedl Max, Zinngießer
Höß Josef, Schlosser
Jud Josef, Kaufmann
Kapfer Anton, Buchbinder
Keßler Nepomuk, Hutmacher
Lämmlein Georg, Kürschner
Man Leopold, Schreiner
Martin J.G. , Apotheker
Rauch Johann , Sattler
Seidl Franz Josef , Kaufmann
Seidl Pankratz , Hafner
Stangl August, Schlosser
Steindl Johann Nepomuk, Lehrer
Vordermair Franz , Bäcker
Wild Martin, Schuhmacher


Seit diesem Zeitpunkt bis heute ist der Oberbräu unser Vereinslokal geblieben! Leider ist das

Liedertafelstüberl, dessen Türe hinten links in der Gaststube noch wahrzunehmen ist, bei den

Umbaumaßnahmen der Brauerei und des Oberbräus 2001 weggefallen.

In den Vereinsstatuten wurden damals 23 Paragraphen niedergelegt, die über den Zweck,

Aufnahme, Austritt, Rechte und Pflichten der Mitglieder sowie die Leitung und Auflösung

des Vereins Auskunft geben.


Unter § 1 der Statuten vermerkt der Chronist:


„Hauptzweck der Liedertafel ist die Pflege und Förderung des deutschen Männergesanges; ein zweiter
Zweck ist die Pflege geselliger Unterhaltung.“


Im Prinzip hat dieser Paragraph bis heute seine Gültigkeit nicht verloren, jedoch wurde das

Vereinsleben mehrmals reformiert und immer der jeweiligen Zeit angepasst.


Heute steht in der Vereinssatzuung unter § 2:


Der Zweck des Vereines ist die Pflege und Förderung des Chorgesangs, besonders des alpenländischen Chorgesangs.


Schon am 30. Mai 1878 getrauten sich 20 Sänger ihre erst seit kurzem erlernte Kunst der

Öffentlichkeit vorzutragen, was ihnen bei einem ca. 200 Leute umfassenden Publikum eine

Einnahme von 129.- Mark und 10 Pfennigen bescherte. Noch im gleichen Jahr berief man 

die erste Jahreshauptversammlung ein und war anscheinend mit dem Ergebnis der ersten Monate

sehr zufrieden, da der Chronist den Versammlungsbericht mit dem Satz:

"Möge es stets so bleiben! "


abschließt. Und dies ist geraume Zeit so geblieben. Man veranstaltete mindestens jedes Jahr

ein Konzert, organisierte Christbaumfeiern, Faschingsveranstaltungen mit Tombola und

vergrößerte somit den Kassenbestand. Das ging sogar soweit, dass man neben dem

hauptamtlichen Kassier einen Vergnügungskassier wählen musste. Weiter ist der Chronik zu

entnehmen, dass der Verein seine Einnahmen auch wohltätigen Zwecken zuführte, so hat man

zum Beispiel am 6. Dezember 1888 dem Veteranenverein Holzkirchen einen Zuschuss von

300.- Mark


„ - zur Bildung eines Fonds behufs Unterstützung solcher Familien, die im Falle einer Mobilmachung ihren Ernährer verlieren“

gegeben.


1879: Die Liedertafel scheint schon seit der Gründung oder bald danach Mitglied des

bayerischen Sängerbundes gewesen zu sein, denn bereits 1879 leistete sie einen Beitrag von

1,35 Mark. Dieser Beitritt war es dann auch, der bei den Liedertaflern in Folge größere Reisen

auslöste, sie nahmen an verschiedenen Sängerbundestreffen teil. Im August reisten zum ersten

Mal 12 Mitglieder zum Münchner Sängerfest (Anmerkung: nachdem eine aktive Beteiligung

der gesamten Liedertafel trotz eifriger Vorproben in letzter Stunde vereitelt wurde).

Zu erwähnen ist auch, dass am 2. Nov. 1888 der Uhrmachergeselle Alois Burgstaller mit 16

zu 1 Stimme in die Liedertafel aufgenommen wurde, die diese am 15. Apr. 1890 wegen seiner

Ausbildung bei Cosima Wagner wieder verließ.


1892: Die Disziplin der Gesangproben muss wohl dem Dirigenten und der Vorstandschaft

nicht entsprochen haben - Parallelen zu heute dürfen durchaus gezogen werden - denn es

wurde am 20.März ein Strafgeld eingeführt, das bei "Zuspätkommen 20 Pfennige und bei

Fernbleiben 50 Pfennige" vorsah. Wie lange diese Maßnahme aufrechterhalten wurde, kann

der Chronik nicht entnommen werden. Auf alle Fälle muss diese Maßnahme sehr stark

gewirkt haben, denn von nun an hat man sich sehr eifrig auf die Sängertreffen vorbereitet.


1893: Ab diesem Zeitpunkt hören wir das erste Mal von einem Bundessängerfest am 14. Juli

1893 in Regensburg. In den folgenden Jahren beteiligte sich die Liedertafel an Sängerfesten in

Innsbruck (1894), in Linderhof (1885), in Stuttgart (1896), in Passau (1898), und in Lindau

(1904). Diese Veranstaltungen waren für die aktiven Sangesbrüder jeweils Ansporn und auch

Erlebnis zugleich.


Foto von 1894


1895: In der Chronik ist auch der große Brand am 5. Dezember 1895 in Holzkirchen

vermerkt, bei dem der Oberbräugasthof verwüstet wurde. Die Liedertafel verlor bei der

Brandkatastrophe Notenmaterial und Theaterkostüme, auch wird vermutet, dass damals die

erste Vereinsfahne den Flammen zum Opfer gefallen ist. Während der Wiederaufbauphase

des Oberbräus wurde das Vereinsgeschehen vorübergehend in die "Alte Post" verlegt. Zu

erwähnen ist hier, dass am 14. Nov. 1895, noch vor dem Brand, unser ehemaliges Mitglied

Alois Burgstaller als Opernsänger und Heldentenor, zum ersten Mal im alten Oberbräu

aufgetreten ist.


1903: Ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war das 25 jährige Stiftungsfest am 20. und

21. Juni mit Fahnenweihe, die aber nicht vollzogen wurde. Dirigent war damals Gustl Hahn,

dessen Name eng mit den Geschicken der Liedertafel verbunden ist. Beim Jubiläum wirkten

die Gesangvereine von München-Nymphenburg (Patenverein), Bad Aibling und die

Kurkapelle Bad Tölz mit; der Chronist Georg Vogler berichtet sehr ausführlich über das

Ereignis. Die Fahnenbänder der Fahnenbraut, Anna Hiltpoltsteiner und des Patenvereins

Nymphenburg, zieren noch heute die Vereinsfahne.

Der Aufschwung der Liedertafel hielt beständig an. Die Zahl der Mitglieder stieg, und

vor allem wurden die Veranstaltungen immer pompöser aufgezogen. So waren

beispielsweise Maskenbälle und Theatereinlagen keine Seltenheit mehr.


Foto von 1903


1906: Einen absoluten Erfolg vor dem 1. Weltkrieg und vielleicht sogar den Höhepunkt in

der Vereinsgeschichte erreichte die Liedertafel bei einem Künstlerkonzert zu Gunsten der

„Kleinkinderbewahranstalt Holzkirchen“, das am 25. August stattfand. Der Chronist berichtet,

dass es sich hier um ein erstklassiges Konzert gehandelt habe, bei dem Kompositionen von

Wagner, Beethoven, Liszt, Schuhmann, Schubert und Chopin aufgeführt wurden.


Die Interpreten und Akteure waren:

Sopran: Marion Weed, Metro New York
Tenor: Alois Burgstaller, Metro New York
Bariton: Anton van Rooy, Metro New York
Pianist: Kurt Schindler, Metro New York
Rezitator: August Weigert, Kgl. Bay. Hoftheater München.


Alois Burgstaller, ein Sohn der Marktgemeinde und Mitglied der Liedertafel, der

neben seinen Auftritten in Bayreuth als Siegfried auch acht Jahre an der „Metropolitan-

Opera“ in New York wirkte, war Ehrenmitglied der Liedertafel und trat noch des

öfteren zusammen mit namhaften Künstlern im Oberbräusaal in Erscheinung.


1914: Es wurde wieder stiller um die Liedertafel, der 1. Weltkrieg begann. In der Chronik

findet man nur sehr spärliche Eintragungen, nur von Fritz Hiltpoltsteiner, Bräu zu

Holzkirchen, dem einzigen gefallenen aktiven Sänger der Liedertafel (+ 15. Mai 1915 in

Saint Quentin an der Somme, bestattet in Saint Quentin, Frankreich), ist ein längerer Artikel

gewidmet.


1920: Nach den Schrecken des 1. Weltkriegs formierte sich die Liedertafel wieder

allmählich. Der Chronist schreibt von der ersten feierlichen Generalversammlung, die am 20.

April stattfand; der Gesang wurde wieder aufgenommen. Im September fand dann erstmalig

ein Treffen mit Chören des Mangfallgau - Sängergau in Schliersee statt, in dem die

Liedertafel nun mit eingeschlossen war.


Foto von 1921



Möglicherweise ging die Anzahl der aktiven Sänger zurück oder für die in der Folgezeit

durchzuführenden Veranstaltungen benötigte man eine andere Besetzung der Stimmen, denn

1926 werden erstmals aktive Sängerinnen in die Liedertafel aufgenommen.


Im Mitgliederverzeichnis erscheinen die Namen:
1926: Hiltpoltsteiner Marie, Doll Resi, Glonner Anni, Stitzinger Fanny, Geis Lina, Andelshauser Rosa, Müller
          Anna, Mayr Rosa, Gast Olga, Schwimmbeck Fanny

1928: Bader Pauline, Braun Adelheid, Fleidl Marie, Köll Elise, Oliv Anni, Stecher Rosa, Steingräber Elise,
          Socher Anni, Socher Maxi, Doll Maria, Link Julia

1929: Bortenlänger Maria, Priller Anni, Schwimmbeck Maria, Müller Auguste, Herl Hildegart


1926: gibt es wieder einen Höhepunkt in der Vereinsgeschichte, das 25 jährige Dirigenten-

Jubiläum von Gustl Hahn wird gefeiert, er wird zum Ehrenchormeister erkoren. Die

Liedertafel zählte damals, bei einer Einwohnerzahl von ca. 2000, eine stolze Zahl von 50

aktiven Sängern und Sängerinnen.


1929: Am 24. März wurde endlich die kirchliche Weihe der Liedertafelfahne von 1903

nachgeholt. Der Chorregent Mühlbauer, selbst aktiver Sänger, gab am Abend in aller Stille

der Fahne die Weihe.


„Die Liedertafel war damit im Besitz einer geweihten Fahne und ein Unterlassen aus irgend welchen Gründen nach 26 Jahren wieder wettgemacht"

so schreibt der Chronist.


Foto von 1929



Ohne Zweifel wäre noch eine Menge über das Wirken unserer Liedertafelvorfahren zu

berichten , die nie müde wurden, immer wieder neue Ideen in die Tat umzusetzen.

So gab es innerhalb der Liedertafel eine besonders lebenslustige Schar, die sich „Wilde

Liedertafel“ nannte und bereits 1890 vom Postmaxl - dem Bruder des ehemaligen Posthalters

Gabriel Moser - ins Leben gerufen wurde. 1907 entstand eine Neuauflage der „Wilden

Liedertafel“, die nun von Buchdrucker Ernst Vogler angeführt wurde. Ein drittes Mal begann

die „Wilde ....“ wieder nach dem 1.Weltkrieg zu singen.

Wurde in der Liedertafel unter dem Dirigenten Gustl Hahn das konzertreife Chorlied geübt,

so erklang es aus den Kehlen der „Wilden...“ almerisch und jagerisch.


1930, nachdem der Kiem Pauli zum Preissingen in Egern aufgerufen hatte und so viele

Sängergruppen seinem Ruf folgten, sang man mit noch größerer Begeisterung alpenländische

Lieder.

Auch einige Holzkirchner Liedertafler waren mit dabei und sehr erfolgreich, so die

Geschwister Stahuber, und die Holzkirchner Buam, um Sepp Hamann.

Nicht zu vergessen sei auch die Opernsängerin Maria Doll, Sopran und Josef Hamann,

Tenor, die zu grandiosen Vorstellungen beisteuerten, weitere Namen, wie der Vogl

Sepp, der bereits 1884 erstmals in der Chronik erscheint, Postmeister Ittameier, Dirigent

Hahn, Sedlbauer Toni, Stahuber Schorsch, um nur einige von ihnen zu nennen, sind schon in

die Geschichte der Liedertafel eingegangen.


1933: In den folgenden Jahren des Nationalsozialismus wurde auch die Liedertafel im Zuge

der "Gleichschaltung der deutschen Vereine" den damals geltenden Organisationsschemata

unterworfen, Organisationsänderungen im Verein waren die Folge. Auf der Tagesordnung

stand am 3. Okt. 1933 u. a. " Wahl des Vereinsführers " (nicht mehr Wahl des Vorstands der

Liedertafel).


1936: Leider endet 1936 die Chronik, es fehlen die Eintragungen bis zum Kriegsende.

Vermutlich wurden in den Nachkriegswirren die Eintragungen über jene Zeitepoche entfernt.

Der Kassenstand belief sich damals auf noch ganze 3 Reichsmark und 55 Pfennige.


1939 -1947: Der 2. Weltkrieg rief wieder die meisten Sänger an die Front, es wurde still im

Sängerlokal Oberbräu, das zuerst von der Wehrmacht und dann bei Kriegsende von den

Besatzungstruppen beschlagnahmt wurde. Unser Kulturtempel, der Oberbräusaal, war jetzt

nicht mehr mit Gesang und Theater erfüllt, er diente nun als Basketballhalle für die

amerikanischen Besatzungstruppen.

Zu dieser Zeit wurden wir zudem auch von unserer Vereinsfahne befreit. Böse Zungen

behaupten, sie befände sich in Philadelphia !

Durch die Ereignisse der Kriegs- und Nachkriegsjahre löste sich der Verein jedoch gänzlich

auf.

Zwei aktive Mitglieder der Liedertafel sind im 2.Weltkrieg geblieben, unser Dirigent Josef

Hamann, * 9. März. 1902 in Frontenhausen, + 23. Sep. 1943 auf dem Hauptverbandplatz der

Sanitätskompanie 1/110 in Korostoviz, bestattet auf dem Soldatenfriedhof in Chotimsk,

Weißrussland und der Sänger Theodor Peter Maschek, * 16. August 1898 in Wiesbaden,

verstorben am 5. Februar 1945 im Kriegsgefangenenlager 68 in Tscheljabinsk, Ural, bestattet

auf dem Lager zugehörigen Friedhof.


1947: Am 25. November begann wieder ein neuer Start der Liedertafel. Die

politischen Bedingungen durch die Besatzungsmacht hatten sich soweit gebessert (die

Ausgangssperre von 1945-1947 von täglich 18:00 - 6:00 Uhr früh wurde aufgehoben), dass

wieder an ein Vereinsleben gedacht werden konnte. Vorstand Nikolaus Fleidl und Dirigent

Otto Schmidt gaben bei einem Treffen der Hoffnung Ausdruck,

„ dass recht bald wieder frohe Lieder unsere Kehlen verlassen mögen um die Alltagssorgen
zu vergessen.“

Die offizielle Genehmigung des Vereins wurde von den Amerikanern dann ein Jahr später,

am 14.Januar 1949 erteilt.

Anmerkung:

Auch hier, bei der neuerlichen Wiedergründung der Liedertafel, sind Parallelen zur königlich

bairischen Zeit um 1845 zu erkennen. Eine Genehmigung der amerikanischen

Militärregierung war erforderlich, es wurden wiederum Erklärungen über den politischen

Leumund der Sänger und der passiven Mitglieder abverlangt. Die Genehmigung wurde dann

am 14. Januar 1949 erteilt.


Genehmigungsschreiben von 1948 u 1949


1949: Diese bei der Gründungsversammlung vom Vorstand ausgesprochene Hoffnung wurde

dann beim Frühjahrskonzert am 9.April erfüllt, leider war das Konzert nur mangelhaft

besucht. Wegen der geringen Anzahl an Sangesbrüdern entschloss man sich im Hinblick auf

das bevorstehende Jubiläumskonzert wieder einen gemischten Chor aufzustellen, der beim

Konzert am 10. Dezember 1949 vor ausverkauftem Oberbräusaale und unter Mitwirkung des

Orchesters Ferdinand Tratz und der Vereine des Mangfallsängerkreises erneut den Glanz alter

Tage aufleuchten ließ.

Dieser gemischte Chor hatte, wie bereits in den Jahren 1926 bis ca. 1930, nur ein kurzes

Leben. Ob die Damen oder die Herren oder beide zusammen am Ende der Liaison schuld

waren, ist nicht festzustellen. Die Chronik jedenfalls schweigt sich diesbezüglich vornehm

aus.


Foto von 1952


1958: Am 22. November ehrte die Liedertafel verdiente Sänger wie Gustl Hahn und

Nikolaus Fleidl mit der goldenen Ehrennadel des Deutschen Sängerbundes für 50- jährige

treue Mitgliedschaft als aktiver Sänger.


1963: Als man sich 1963 auf das Jubiläumskonzert vorbereitete, war bereits ein

Silberstreifen am Horizont erkennbar. Junge Gesichter traten aus den Reihen der ergrauten

Häupter hervor und Vorstand Otto Häfner, der schon schlechtere Zeiten erlebt hatte, stellte

mit Genugtuung fest, dass die Talfahrt zu Ende war.


1964: Am 23. Mai feierte die Liedertafel ihr 90-jähriges Gründungsfest - damals ging

man vom Wiedergründungsdatum 1874 aus. Der Festabend im Oberbräusaal wurde von einer

Singgruppe der Volksschule unter Leitung von Lehrerin Frau Hegen, dem Orchesterverein

unter Leitung von Georg Obermüller sowie der Liedertafel, Dirigent Dr. Otto Schmidt,

gestaltet.

Am Tage darauf fand das traditionelle Kreissingen statt, an dem 15 Gesangvereine aus dem

Sängergau Oberland in Holzkirchen teilnahmen.


Foto von 1974


1976: Am 9.Mai konnte unser Ehrenmitglied Andreas Herl in Bamberg aus den Händen von

Staatssekretärin Frau Dr. Berghofer-Weichner die "Zelter Plakette" für über 100- jährige

aktive Chorarbeit in Empfang nehmen.

Zum damaligen Zeitpunkt wusste man auch schon, dass der Verein 29 Jahre älter war.


Anmerkung:

Die Zelterplakette ist nach dem Urvater der weltlichen Männerchöre, dem Musiker Carl

Friedrich Zelter benannt, der bereits 1809 in Berlin die „Chorvereinigung Liedertafel“

gründete.


1981: Bei der Generalversammlung erhielt unser Sangesbruder Andreas Herl das goldene

Ehrenzeichen des Deutschen Sängerbundes für 50-jährige Mitgliedschaft als aktiver Sänger.

Zugleich wurde er zum Ehrenmitglied der Liedertafel ernannt. Unser Anderl war zu diesem

Zeitpunkt bereits über 20 Jahre als Schriftführer und Chronist tätig und hat so manche

Festivität und manchen Ausflug organisiert.


Foto von 1983


1985: Am 23. März wurde das 140-jährige Jubiläum der Liedertafel im Oberbräusaal

gefeiert. Dieses Fest wurde gestaltet von der Liedertafel, Dirigent Hubert Parzinger, dem

Kinderchor der Musikschule Pförtsch, Leitung Annette Pförtsch und der Stubenbacher

Blasmusik, Leitung Winfried Schnabel. Der Konzertabend wurde bei vollem Hause ein

großer Erfolg ! Ermuntert von diesem Erfolg, wurden größere Ziele angesteuert. Im Verein

entschloss man sich, wieder an die großen Tage des Vereins anzuschließen !


1987: Die Liedertafel bewarb sich um die Teilnahme an den „Europäischen Chortagen“ in

Bremen !

Nur den Bemühungen und Beziehungen unseres damaligen Vorstands Hans Rainer Huber war

es zu verdanken, dass wir als einziger Chor aus Süddeutschland und dem Alpenraum vom

„Nordwestdeutschen Sängerbund“ auch zu diesem Ereignis eingeladen wurden. Ein eifriges

Gesangstraining, das ganze Jahr über, hob an.

Vom 18. bis 20. September nahmen wir dann an den „Europäischen Chortagen“ in Bremen

teil. Bei den täglichen Gesangsfesten mussten wir vor internationalem Publikum gegen sehr

starke Konkurrenz auftreten.

Es sangen und gaben zum Besten, Chöre aus Norwegen, Polen, Ungarn, Belgien,

Bulgarien, Bremerhaven und Hessen.

Das größte Ereignis war der Auftritt im Rathaussaal in Bremen, mit anschließendem

Senatsempfang der Vorstände und Dirigenten .

Die Tageszeitung von Bremen, die „Norddeutsche“ schrieb:


„Die Liedertafel Holzkirchen aus Bayern unter Führung von Hubert Parzinger bot ein
mundartlichesProgramm. Gemütvoll vom Text und Melodieführung erschien die
bayerische Folklore in vier Liedsätzen mit warmen Farben und Stimmungen bei sauberer
Intonation.“


Unvergesslich bleibt für uns auch die freundliche, kameradschaftliche und vorbildliche

Betreuung während der Chortage durch unsere Chorfreunde, den "M.G.V. Echo Burg von

1891" aus Bremen.

Wir denken auch gerne an den Kameradschaftsabend im Dorfgemeinschaftshaus in

Platjenwerbe, Gemeinde Ritterhude zurück, bei dem Freundschaften geschlossen wurden, die

bis heute andauern.


1989: Unserem Dirigenten Hubert Parzinger wurde bei der Generalversammlung am

10.Januar die Ehrenmitgliedschaft der Liedertafel verliehen. Hubert hat in seiner 20-jährigen

Tätigkeit als Dirigent mit unermüdlichem Einsatz den Chor geformt und zu dem geführt, was

der Chor heute ist. Unser Repertoire betrug damals 70 Liedsätze, davon sind auch einige

Lieder von Hubert selbst komponiert.

Was ist ein Verein ohne Fahne? Nachdem aus den bereits geschilderten Gründen unsere

Fahne 1945 abhanden gekommen war, dachte man schon seit längerer Zeit daran, eine solche

zu beschaffen; bei dieser Versammlung wurde der Beschluss hierzu gefasst. Mit großem Eifer

ging man daran !

An dieser Stelle sei der besondere Einsatz unserer Sangesbrüder Konrad Eiler, Josef Vogl und

Alois Widman bei der Beschaffung der neuen Fahne erwähnt.


1989: Am Wochenende des 9./10. September begingen wir unsere Fahnenweihe.

Am Samstag fand im Oberbräusaal das große Festkonzert statt. Es beteiligten sich daran der

Patenverein, M.G.V. Seeham, Dirigent Georg Obermüller, unsere Chorfreunde, M.G.V. Echo

Burg von 1891, Dirigent Stefan Sobotta, die Freiraumbläser Loisachtal, Leitung Ferdl

Kliemschmidt und die Liedertafel Holzkirchen, Dirigent Hubert Parzinger. Die begleitenden,

besinnlich humorigen Überleitungen zwischen den Liedsätzen sprach Benno Eisenburg.

Es war ein harmonischer, glücklicher und sehr unterhaltsamer Konzertabend, der uns in

Erinnerung bleiben wird!

Am Sonntag, einem herrlichen Frühherbsttag, marschierten wir unter Begleitung von 26

Vereinen, zwei Musikkapellen, der Fahnenbraut Petra Widmann, der Fahnenmutter Ursula

Bartocha und einer Schar junger Madln als Fahnenbegleitung, vom Marktplatz zur St. Josef

Kirche. Es war ein imposanter Festzug!

Rückblickend ist es nur schade, dass nur ein kleiner Teil der Holzkirchner Bevölkerung an

dem Festzug Anteil genommen hat !

Mit unserem Patenverein sangen wir die Schubertmesse. Die Weihe der Fahne nahm Pfarrer

Erwin Wild vor.

Sehr stark bleiben uns seine Worte im Gedächtnis :


......, möge sie euch in guten und in bösen Tagen, Zeichen der Verbundenheit und der Gemeinschaft sein.“


Nach der Kirche marschierte der Festzug zurück zum Marktplatz. Nach einem gemeinsamen

Mittagessen im Oberbräu fand ein offenes Singen statt, bei dem sich sieben Chöre beteiligten,

die abwechselnd ihre besten Lieder von sich gaben, ein Genuss.


Foto von 1989


1991: Am 24.Mai fuhren wir zu unseren Chorfreunden nach Bremen, der „M.V.G. Echo

Burg von 1891“ hatte uns zu seinem 100 jährigen Gründungsfest eingeladen. Es war ein

freudiges Wiedersehen, das wir zwei Jahre nach unserer Fahnenweihe feiern durften. Mit auf

die Gratulationsreise begaben sich auch unsere Bürgermeister, Manfred Glanz, Franz Grad

und der Altbürgermeister Albert Seiler.


1993: Unser langjähriger und überaus rührige Vorstand, Hans Huber, musste aus

familiären Gründen seine Tätigkeit niederlegen. Mit ihm gab auch der Dirigent,

Hubert Parzinger sein Amt zurück das er über 25 Jahre bekleidete. Beide

Sängerkameraden haben in ihren Funktionen unsere Liedertafel ein ordentliches

Stück weit nach vorne gebracht! Eine neue Ära im Verein beginnt!

Zum neuen Vorstand wurde Anton Manhart gewählt, den Dirigentenstab übernahm

nun unser Sangesbruder Anton Kaffl. Aus beruflichen Gründen musste leider auch

er dieses Amt Anfang 1994 wieder abgeben. Interimsweise übernahm deshalb

Hubert Parzinger wieder das Dirigentenamt bis zur Sommerpause 1994.

Ab Herbst 1995 konnten wir einen neuen Dirigenten gewinnen, Stefan Krischke, der

Moosrainer, der bereits früher schon das Amt des Kirchenmusikers in Holzkirchen

inne hatte.


1996: Mit Zufriedenheit und auch mit Stolz blicken wir zurück und in die Zukunft, 42 aktive

Sänger und 154 passive Mitglieder davon 23 Frauen, zählt heute unsere Liedertafel. Ein

Vergelt’s Gott an alle, die in der Vergangenheit bis heute als Sänger, in der Vorstandschaft,

als Mitglied oder als Freund und Gönner mitgeholfen haben, den Fortbestand der Liedertafel

zu erhalten.


Foto von 1996


Vorerst Ende der Chronik, Fortsetzung folgt


 

 

 
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